Stummheit - lautlose Worte
Sie wollen sprechen, sich mitteilen, etwas anfordern, Liebe und
Zärtlichkeit äußern oder Angst. Und Sie kriegen kein Wort raus.
Aufgeregt beginnen Sie, zu gestikulieren. Ihre Kehle strengt sich an,
Stimmbänder spannen sich, Ihre Lippen formen lautlose Worte. Niemand
hört Sie. Beinahe schon drängt sich den Eindruck auf, Sie werden
gänzlich übersehen. Ungehört nicht wahrgenommen. Ob Sie kein
vollwertiger Mensch sind? Voller Panik greifen Sie zu Papier und Stift,
schauen sich mit weit aufgerissenen Augen nach dem Vorhandensein eines
PC um, den Sie nutzen können. Ein Telefon? Nichts für Sie. Schwitzend
wähnen Sie sich in einem Albtraum. Ihre Brust verengt sich. Das kann
doch nicht sein. Doch. Wenn Sie stumm sind schon, dann hat der Albtraum
kein Ende. Sie sind abgetrennt von der Welt der Sprechenden, die sich
mühelos ohne sich sehen zu müssen, auch über weite Strecken etwas
zurufen. Separiert von denen, die sich die Welt mündlich gesprochener
Sprache, die mit Gefühlen und Gesten unterlegt werden kann, teilen. Sie
teilen auf dieser Ebene nicht.
Stummheit gilt als die schwerste Form der Sprachstörung.
Stummheit, auch Mutitas genannt, bezeichnet die Unfähigkeit, Sprachlaute zu erzeugen.
Des Stummen Los ist das Schweigen.
In aller Regel zeichnen sich stumme Menschen durch normale Intelligenz,
gutes Sozialverhalten, Fehlen von Symptomen psychischer Erkrankung und
adäquate Stimmungslage aus. Wiewohl das Leiden unter psychosozialen
Folgen wie beispielsweise Isolation nicht ausgeschlossen sein soll.
Allerdings ist der stumme Mensch vom Grundsatz her gut geeignet, den
Umgang mit seiner Störung zu erlernen und zu gestalten. Wobei deutlich
unterschieden werden muss, ob die Unfähigkeit des Artikulierens
angeboren oder erworben ist. Im letzteren Fall spürt das Individuum den
Verlust der Teilnahme an der Welt der Sprechenden und dessen Folgen
sehr deutlich.
Neurologische und HNO-Untersuchungen sind dazu angetan, der Ursache der Stummheit auf den Grund zu gehen.
Bedingt durch einen genetischen Defekt kann sie angeboren sein.
Ferner wird zwischen Hörstummheit (der Mensch hört, kann sich
lautsprachlich jedoch nicht artikulieren) und Lautstummheit (Laute in
den entsprechenden Gehirnregionen des stummen Menschen werden nicht zu
Wörtern verbunden, der Sinn kann demzufolge nicht verstanden werden)
unterschieden.
Physiologische Fakten wie Beschädigungen an den Stimmbändern oder das
Fehlen des Kehlkopfes (nach Amputation durch Kehlkopfkrebs) oder auch
neurologische Bedingtheiten als Konsequenz eines Schlaganfalles
(bekannt als Aphasie) sind als körperliche Verursacher der Stummheit
definiert.
Im Spiegel seelischer Leiden kann Stummsein als Mutismus oder
selektiver Mutismus Schweigen hervorrufen. Die Behandlung richtet sich
nach den Ursachen.

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